Deutsch für Seiteneinsteiger

Konzept zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (Deutsch für Seiteneinsteiger)

  1. Ausgangslage Die Haupt- und Realschule Nidda unterrichtet im Schuljahr 2013/2014 ca. 450 Schülerinnen und Schüler *(* Im Folgenden werden Schülerinnen und Schüler als Schüler zusammengefasst.) in 19 Klassen. Etwa 10 % dieser Schüler haben einen Migrations-hintergrund. Einige dieser Schüler müssen den schulischen Lernprozess in einer Sprache bewältigen, die sie nicht angemessen sprechen und verstehen. Der Sprachstand begrenzt sich auf eine umgangssprachliche Ausdrucksweise, die aus ihren Alltagserfahrungen resultiert. Ihr Wortschatz ist auf einige Oberbegriffe reduziert und ihr Satzbau ist grammatikalisch unvollkommen. Dies wirkt sich dann auf ihre schulischen Leistungen aus. Zurzeit haben 12 Schüler keine oder sehr geringe Kenntnisse der deutschen Sprache.

    Um diesen Schülern die Möglichkeit einer erfolgreichen Schullaufbahn mit einem entsprechenden Schulabschluss zu geben, ist eine gezielte Förderung in Intensivkursen notwendig; die Methode der inneren Differenzierung im Klassenverband ist dabei nicht zielführend. Je nach den individuellen Sprachkenntnissen unterscheiden wir

    • Seiteneinsteiger ohne deutsche Sprachkenntnisse, die zumeist während des laufenden Schuljahres direkt aus ihrem Heimatland zu unserer Schule kommen
    • Kinder von Zuwanderern, die seit mehreren Generationen hier leben, in deren Elternhaus jedoch kaum deutsch gesprochen wird. Sie wachsen mit "doppelter Halbsprachigkeit" auf
    • Kinder von Zuwanderern, die zweisprachig aufwachsen und deren Eltern sich aktiv um Integration bemühen. Die Teilnahme an einer Sprachförderung ist nicht notwendig.
  2. Ziele der Sprachförderung Ziel des Förderunterrichtes ist es, die Schüler schrittweise in die Lage zu versetzen, im Regelunterricht erfolgreich mitarbeiten zu können und einen Schulabschluss zu erreichen. Sie sollen ihren Wortschatz erweitern, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit verbessern, dabei eine altersentsprechende Ausdrucksweise erlangen, das Hörverstehen trainieren, grundlegende grammatikalische Kenntnisse erwerben, Lesekompetenz und Rechtschreibung erlernen. Die in diesem Prozess gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten werden das Selbstbewusstsein dieser Schüler stärken und entscheidend zur Integration beitragen.
  3. Feststellung des Förderbedarfs (Sprachstandserhebung) Bei der Anmeldung wird die Vorgeschichte des Schülers genau erfragt. Folgende Punkte werden dabei besonders beachtet: Alter, Schulbesuchsjahre, Unterbrechungen der Schullaufbahn, Art der bisher besuchten Schulen, unterrichtete Fächer, weitere Fremdsprachenkenntnisse, Familiensituation, Zeugnisse (möglichst in deutscher Übersetzung), Zurzeit wird der Einsatz von Tests zur Diagnose von Sprachkenntnissen vorbereitet.
  4. Fördermaßnahmen in der Schule Die Förderung orientiert sich an den Vorgaben der Verordnung zu Gestaltung des Schulverhältnisses vom 19. August 2011, § 50 bis 52 (ABl 9/ 11). Schüler mit Migrationshintergrund, die im Elternhaus die Sprache des Heimatlandes sprechen und deshalb schlechte Deutschkenntnisse haben, besuchen die Förderkurse im pädagogischen Nachmittagsangebot:
    • Förderung der Lesekompetenz
    • Förderung der Rechtschreibung
    • Deutsch als Zweitsprache
    Die DaZ-Kurse für die Klassen 5+6 bzw. Klassen 7-10 werden zweistündig angeboten und können freiwillig gewählt werden.
  5. Schüler, die bei der Aufnahme über keine Deutschkenntnisse verfügen, werden entsprechend des bisherigen Schulbesuchs und ihres Alters einer Klasse zugeordnet und besuchen gemeinsam mit ihren Mitschülern den Unterricht. Durch diese Maßnahme finden sie meist sehr schnell Anschluss an Gleichaltrige und werden so in die Gemeinschaft integriert. Erfahrungsgemäß ist in Fächern wie Mathematik, Kunst und Sport eine Beteiligung am Unterricht oft schon bald möglich und kleine Lernerfolge fördern das Selbstbewusstsein.

    Zur Förderung der deutschen Sprache besuchen diese Schüler einen Intensivkurs, der 11 Wochenstunden umfasst und am Vormittag stattfindet. Derzeit wird dieser Kurs von 12 Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Herkunftsländern (Pakistan, Dominikanische Republik, Russland, Bosnien und Serbien) besucht.

    Der Unterricht liegt kontinuierlich in der Hand zweier Lehrkräfte. Er findet in einem eigens hierfür eingerichteten Raum statt, in dem durch Wandplakate sowie verschiedene Arbeitsbereiche für Einzel- und Gruppenarbeit eine angenehme Lernatmosphäre herrscht.

    Da im Laufe des Schuljahres immer wieder Schüler ohne Deutschkenntnisse angemeldet werden, verändert sich der Intensivkurs ständig. Aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes werden die Schüler in eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe geteilt.

    Je nach individueller Sprachentwicklung werden folgende Inhalte vermittelt.

    Anfängergruppe im ersten Jahr:
    • Aufbau des Grundwortschatzes
    • Einüben einfacher Satzstrukturen
    • Einüben des Sprechens und des Hörverstehens
    Fortgeschrittenengruppe im zweiten Jahr:
    • Erweiterung und Differenzierung des vorhandenen Wortschatzes
    • Einüben komplexer Satzstrukturen
    • Laut-Buchstabenzuordnung
    • Training der Umlaute, sch / ch-Laute
    • Unterscheidung kurzer und langer Vokale
    • Artikel
    • Einzahl/ Mehrzahl
    • Wortarten
    • Gebrauch der Fälle
    • Konjugation
    • Adjektive
    • Pronomen
    • Sinnentnehmendes Lesen
    Eine Ausnahme gilt bei Analphabeten, da hier das Schreiben und Lesen Vorrang hat. Entsprechende Erfahrungen fehlen, da bisher ein solcher Schüler noch nicht aufgenommen wurde.

  6. Medien Der Unterricht findet in einem eigens eingerichteten Raum statt, der mit allen Materialien für den Unterricht ausgestattet ist. Außerdem stehen Laptops zur Verfügung, die mit dem Internet vernetzt sind.
    Im Kurs "Deutsch als Zweitsprache" werden folgende Lehrwerke gebraucht:
    • Arbeitsblätter Satzbau für die Sek. I: Satzglieder, Satzarten und Satzgefüge von Rolf Esser, Verlag an der Ruhr
      Arbeitsblätter Grammatik für die Sek. I: Wortarten, Zeitformen, Satzbau von Rolf Esser, Verlag an der Ruhr
      Pingpong neu Band 3 von Gabriele Kopp und Konstanze Fröhlich, Max Hueber Verlag Lehrbuch, Arbeitsheft, Audio-CDs
    Um ein hohes Maß an Kommunikation zu erreichen, werden im Intensiv-Kurs zahlreiche Sprechsituationen geschaffen sowie Formulierungs- und Grammatikübungen, sowie möglich, gemeinsam bearbeitet. Als Grundlage für Formulierungs- und Grammatikübungen dienen vorwiegend die Lehrwerke
    • Pingpong neu, Band 1-3
      von Gabriele Kopp und Konstanze Fröhlich, Max Hueber Verlag
      Lehrbuch, Arbeitsheft, Audio-CDs
    Da der aktuelle Kenntnisstand im Intensivkurs sehr heterogen ist, werden darüber hinaus differenzierte Übungsmaterialien ausgegeben und individuell mit den Schülern in eigenen Ablagekörben bereit. Besonders bewährt haben sich im differenzierten Unterricht auch die Übungshefte
    • Deutsch als Zweitsprache
      Band 1-7 von LÜK
      mit zugehörigen Kontrollgeräten